Tempobaustelle: 57 Stunden statt 21 Tage

Im Norden von Hannover wird dieses Wochenende wieder eine Tempobaustelle eingerichtet. Dieses Mal soll es noch schneller gehen. Wie das möglich ist und was Sie für Ihre Arbeit daraus lernen können, erläutere ich in diesem Beitrag.


Das Ziel

Wenn der Asphalt auf einem Autobahnabschnitt erneuert werden soll, dann bedeutet das normalerweise wochenlanger Stau, weil nur noch 2 statt 3 Spuren zur Verfügung stehen und das in beiden Richtungen. Sehr nervig. Insbesondere, wenn es sich um die A2 handelt und der Auto- und LKW-Verkehr von Dortmund nach Berlin beeinträchtigt ist.

Das, was sich sonst über 3 Wochen hinziehen würde, soll an diesem Wochenende geschafft werden. Also: Die Baustelle soll innerhalb von 57 Stunden, statt erst nach 21 Tagen fertiggestellt sein. Es handelt sich um den Abschnitt zwischen der Ausfahrt Bothfeld und dem Parkplatz Varrelheide.

Warum geht das so schnell?

So eine Tempobaustelle ist nicht überall möglich. Die Voraussetzungen müssen stimmen und die sind einfach im Norden von Hannover ideal.

  • Kurze Strecke: Es werden nur 3 km erneuert. Für eine längere Strecke bräuchte man auch bei einer Tempobaustelle länger, aber dann schafft man das nicht an einem Wochenende und das wäre schlecht, siehe nächster Punkt.
  • Vollsperrung: Es ist aufwändig, eine Baustelle einzurichten, bei der der Verkehr von 3 auf 2 Spuren und auf die Gegenfahrbahn umgeleitet wird. Dies spart man sich und sperrt die Autobahn dieses Wochenende in Richtung Berlin. So ist auch die Zufahrt für die Baustellenfahrzeuge einfacher möglich.
  • Ausweichstrecken für den Verkehr: Aufgrund der Vollsperrung muss der Verkehr weiträumig umgeleitet werden. Dies ist über die A352 und B65 möglich. Der Verkehr wird also nicht über kleine Straßen, Wohngebiete und Tempo-30-Zonen parallel zur Autobahn geleitet, sondern mit mehreren Kilometern Umweg.
  • Tag und Nacht: Sind Sie auch schon häufiger an Baustellen vorbei gefahren, wo Sie keine Menschenseele gesehen haben? Freitag war mittags bereits Feierabend? Das ist bei einer Tempobaustelle anders. Hier wird an diesem Wochenende durchgearbeitet.
  • Parallel statt sequenziell: Es werden alle Spuren gleichzeitig bearbeitet, d.h. die Maschinen fahren nebeneinander. Normalerweise würde eine Maschine erst einen Streifen machen und dann den nächsten. Außerdem wird nicht erst der alte Asphalt abgefräst und am nächsten Tag der neue aufgetragen, sondern die Fräsmaschine fährt vorne weg und die Asphaltmaschine direkt hinterher. So wird am Ende der Strecke noch gefräst während am Anfang schon der neue Belag aufgetragen wird.
  • Logistik: Es gibt ausreichend Kies- und Asphaltwerke in unmittelbarer Nähe, denn der Asphalt muss auf die Minute genau eintreffen. Auch werden Reservemaschinen bereitstehen, damit bei einem möglichen Ausfall einer Maschine sofort eine andere eingesetzt werden kann.
  • Erfahrung: Es ist bereits die 3. Tempobaustelle in unserer Ecke. Im Mai 2020 wurden 3,6 km in 88 Stunden fertiggestellt und im September 2020 2 km in knapp 60 Stunden. Da das alles so gut funktioniert hat, will man nun 3 km in weniger als 60 Stunden schaffen.

Die Baustelle kann man von 3 Autobahnbrücken aus beobachten. Ich werde dieses Wochenende zu Fuß bzw. mit dem Rad dort hinfahren und Fotos machen, die ich hier und auf Facebook veröffentlichen werde.

Was können Sie daraus für sich übernehmen?

Manchmal kommt es auch zu Stau an Ihrem Arbeitsplatz oder Ihrer Abteilung. Beispielsweise wenn durch eine hohe Krankenquote ein Rückstau entstanden ist und Anträge/Aufträge nicht mehr zeitnah bearbeitet werden können. Stattdessen wird der Stapel der unbearbeiteten Vorgänge immer höher und die Kunden beschweren sich lautstark. Dann wäre eine Hau-Ruck-Aktion, an der sich mehrere Kollegen beteiligen, hilfreich.

Am Beispiel Aufräum-Tag gehe ich die o.g. Punkte durch:

  • kurze Strecke: Räumen Sie nur einen überschaubaren und realistischen Bereich auf. Vielleicht nur das Papier an Ihrem Arbeitsplatz oder nur die Dateiablage.
  • Vollsperrung/Ausweichstrecke: Am Aufräum-Tag stellen Sie Ihr Telefon um und richtigen eine Abwesenheitsnotiz für Ihre E-Mails ein. Konzentrieren Sie sich auf das Aufräumen.
  • Tag und Nacht: Keine Angst – Sie müssen nicht auch in der Nacht arbeiten. Aber vielleicht ist es besser, wenn Sie an einem Samstag aufräumen, um wirklich Ruhe zu haben.
  • Parallel: So eine Aufräum-Aktion kann man auch gut in der ganzen Abteilung durchführen. Dann kann einer neue Ordner beschriften, während ein anderer die alten Akten ins Archiv bringt.
  • Logistik: So ein Aufräum-Tag darf nicht ins Stocken geraten, weil nicht genug Ordner zur Verfügung stehen oder keine leere Datentonne bereit steht. Machen Sie sich vorab eine Liste des Büromaterials, das benötigt wird und testen Sie Locher und Tacker auf ihre Funktionsfähigkeit.
  • Erfahrung: Zu Beginn werden Sie bei jedem Blatt Papier denken „Das brauche ich bestimmt noch. Das lege ich erstmal beiseite.“. Im Laufe des Vormittags werden Sie immer schneller, weil Sie sich schneller entscheiden können. Dann heißt es „Das brauche ich nicht mehr. Ich hätte sowieso nicht gewusst, dass ich das noch habe. Ich habe es als Datei abgespeichert. Das Papier kann weg.“

Update: Nach 40 Stunden fertig!

Am Freitagabend stand ich auf einer der Autobahnbrücken und habe beobachten können, wie der Asphalt abgefräst wurde. Hier ein ein Video, das ich auf Facebook gepostet habe:

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Es standen wirklich viele LKWs bereit, damit ohne Unterbrechung weiter gearbeitet werden konnte.

Am Samstag wurden dann nach und nach die einzelnen Schichten aufgebracht. Auch waren wieder viele Fahrzeuge im Einsatz. Warum die LKWs aber die ganze Strecke rückwärts gefahren sind, habe ich nicht verstanden. Schauen Sie selbst:

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Heute, Sonntag, war ich ca. 12:20 Uhr wieder auf der Brücke. Was soll ich sagen? Es fuhren die ersten Autos wieder auf der Autobahn. Die Turbobaustelle war also nicht wie geplant nach 57 Stunden, sondern nach bereits rund 40 Stunden fertig!

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