Passt eine Führungsposition zu mir? Eine Entscheidungshilfe für alle, die (noch) zweifeln

Plötzlich Führungskraft?

Manchmal kommt es ganz unverhofft: Sie bekommen eine Führungsposition angeboten – oder überlegen, ob Sie sich darauf bewerben sollen?

Wie auch immer, in jedem Fall stehen Sie gerade vor der entscheidenden Frage:

Passt eine Führungsposition zu mir? Soll ich eine Führungskraft werden? Kann ich das überhaupt?

Ich möchte Ihnen mit diesem Artikel eine erste Entscheidungshilfe an die Hand geben. Und eine gute Nachricht:

Führung kann man lernen.

Eine der größten Mythen rund um das Führen ist, dass Menschen glauben, sie müssten dazu geboren sein.

Ich verrate Ihnen was: Führung ist eine Art Handwerk. Kein Hexenwerk.

Doch dazu später mehr. Wir sind ja noch am Anfang – bei der Frage, ob Sie Führungskraft werden sollten.

Und da habe ich noch eine gute Nachricht für Sie: Schon alleine, dass Sie sich diese Frage stellen, ist ein Hinweis darauf, dass Sie in eine solche Position passen könnten. Das wollen wir jetzt genauer wissen, oder?

 

Wie Sie in 4 Schritten herausfinden, ob eine Führungsposition zu Ihnen passt

Beantworten Sie die folgenden Fragen am besten schriftlich – und gerne auch über einen längeren Zeitraum. Sammeln Sie ein-zwei Tage lang Ihre Antworten auf die ersten drei Schritte, um sie dann schließlich mit Schritt 4 auszuwerten.

Schritt 1: Ihre Möglichkeiten reflektieren

Sie werden Ihre Gründe haben, warum Sie mit der Führungsposition liebäugeln, aber können Sie diese auch genau benennen?

Finden Sie Ihre Antworten auf die Frage: Was reizt mich an dem Thema Führung?

    • Welche Chancen sehe ich für mich darin, als Führungskraft zu arbeiten?
    • Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch (für mich, meine MitarbeiterInnen, meine Vorgesetze, das Unternehmen usw)?
    • Welche meiner Fähigkeiten und Talente kann ich in einer Führungsposition besonders wirkungsvoll einsetzen?
    • Was glaube ich, kann ich einbringen und bewirken als Führungskraft?
    • Welche meiner beruflichen und privaten Ziele sind mit einer Führungsposition verbunden /erreichbar – und welche nicht?
    • Welche Entwicklungsmöglichkeiten ergeben sich für mich, wenn ich die Stelle antrete? Was würde sich für mich ändern, wenn ich eine Führungsposition übernehme?
    • Welche Faktoren gibt es noch, die mich motivieren als Führungskraft zu arbeiten (bspw. höheres Einkommen, Status)?

Schritt 2: Ihre Bedenken reflektieren

Nicht alles an der neuen Position ist rosarot. Das ist normal – und gut, wenn Sie sich darüber jetzt schon bewusst sind. Oder zögern und zweifeln Sie grundsätzlich (an sich selbst?)? Dann wird es Zeit, sich damit konkret auseinanderzusetzen.

Also fragen Sie sich: Was hält mich zurück beim Thema Führung?

    • Was glaube ich, ist für mich an einer Führungsposition nicht so günstig?
    • Welche Sorgen und Befürchtungen habe ich?
    • Welche kritischen Einstellungen und Assoziationen habe ich mit dem Thema Führung?
    • Was würde sich für mich im negativen Sinne verändern, wenn ich eine Führungsposition übernehme?
    • Welche negativen Konsequenzen könnten eintreten?
    • Wo sehe ich Stolpersteine und „Gefahren“ in der Position?
    • Was ist das, was ich auf keinen Fall will?

Schließlich kehren wir den Blick nach außen:

Schritt 3: Die Anforderungen reflektieren

Nehmen Sie einen ersten Realitätscheck vor – und fragen Sie sich (und am besten direkt die Verantwortlichen, die die Stelle ausgeschrieben haben):

Was sind die Anforderungen und Aufgaben, die mit dieser Führungsaufgabe verbunden sind?

    • Wie ist die Stelle ausgeschrieben? Wie wird sie inhaltlich dargestellt?
    • Welche Aufgaben und Verantwortungen sind mit der Position verbunden?
    • Welche Voraussetzungen und Bedingungen sind an die Stelle geknüpft?
    • Was davon ist neu für mich/ wo gibt es Bereiche, in die ich mich einarbeiten müsste?
    • Welche Erwartungen werden an mich gestellt (seitens der MitarbeiterInnen, Vorgesetzten, KundInnen, KollegInnen)?

Schritt 4: Ihr Fazit

  • Inwieweit stimmen Ihre Antworten aus Schritt 1 (Ihre Möglichkeiten) in denen aus Schritt 3 (dem Realitätscheck) überein?
  • Inwieweit stimmen Ihre Antworten aus Schritt 2 (Ihre Bedenken) in denen aus Schritt 3 (dem Realitätscheck) überein?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich daher für Sie, wenn Sie die Stelle antreten würden?
  • Was kann Ihnen helfen, diesen Herausforderungen wirkungsvoll zu begegnen?

Schreiben Sie sich Ihre Antworten möglichst auf – und achten Sie dann auf die Gewichtung, d.h. wie Platz nehmen Ihre Bedenken die vermuteten Möglichkeiten und schließlich die Anforderungen bei Ihnen ein?

 

Wie Sie Ihre Ergebnisse am besten auswerten – ein typischer Fehler

In meiner Arbeit als Führungskräfte- und Karriere-Coach begegnen mir die unterschiedlichsten Menschen. Es wäre zu einfach, diese nun in zwei Kategorien einzuteilen. Es gibt aber zwei Pole, zwischen denen sich alle bewegen: Die optimistische und die pessimistische Perspektive.

Die eine Perspektive ist optimistisch, sie sieht sich den Anforderungen gewachsen, sieht deutlich mehr Möglichkeiten und hat insgesamt wenig Sorgen und Befürchtungen, was mit der Übernahme der Führungsposition auf sie zukommt.

Die zweite Sichtweise, die pessimistische Perspektive ist sorgenvoll, hat die Befürchtung, die Anforderungen nicht erfüllen zu können und sieht für sich auch weniger Möglichkeiten in der neuen Position.

„Aha, also alles ganz einfach!“, sagen Sie und denken, man müsse zur linken Fraktion, zur optimistischen Perspektive gehören, um eine Führungskraft sein zu können?

Nein!

Ich möchte Sie im Gegenteil ermutigen, auch dann, wenn Sie vermehrt sorgenvoll auf die Herausforderungen der Führungsposition blicken, weiter dran zu bleiben! Es gibt dafür gute Gründe:

Warum Sie vielleicht gerade dann Führungskraft werden sollten, wenn Sie es sich nicht zutrauen

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen sich nicht trauen, in Führung zu gehen – obwohl sie aber durchaus dafür geeignet wären.

Das hängt zum einen mit geringeren Selbstbewusstsein zusammen und zum anderen mit dem Glauben, man müsste „irgendwie anders“ sein, um führen zu können. Wenn ich dann nachfrage, bekomme ich oft zu hören, dass man „durchsetzungsstark“, „redegewandt“ oder „den Aufgabenbereich beherrschen muss“.

Tja, haben Sie es gemerkt? Wir sind wieder am Anfang: Bei dem Glauben, dass man zur Führungskraft geboren sein müsse. Dass es bestimmte Eigenschaften gibt, die man bereits besitzen muss.

Ich wiederhole mich da gerne: Das stimmt (fast) nicht.

Führung lässt sich lernen.

Die Voraussetzung ist, dass Sie Lust dazu haben. Dass Sie die Offenheit mitbringen, sich auf diesen Lernprozess einzulassen. Dass Sie Freude daran haben, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten (denn das ist eine der wichtigsten Aufgaben von Führung!). Dass Sie bereit sind, Verantwortung zu tragen.

Sie werden beim Lernen feststellen: Es gibt nicht DIE eine ideale Führungskraft. Entscheidend ist, was Sie daraus machen. Wie Sie Führungs-Kompetenzen, -Stile und die -Werkzeuge sowie Ihre Persönlichkeit miteinander kombinieren. Genau das können Sie bspw. in unserem kostenfreien Mailkurs (klick)  lernen.

Und das ist, was ich Ihnen vor allem bei Ihrer Entscheidungsfindung mitgeben möchte:

Führung sollte man lernen.

Dazu ist es hilfreich, sich genau zu informieren, inwieweit das Unternehmen, bei dem Sie führen wollen, dieses berücksichtigt. Werden bspw. gezielt Unterstützungs- und Entwicklungsmöglichkeiten wie Coachings, Mentorings und Seminare angeboten? Gibt es Führungskräfte im Unternehmen, von denen Sie lernen können? Erhalten Sie Support von Ihren direkten Vorgesetzten?

All das sind schon hervorragende Anhaltspunkte, die für das Unternehmen (und damit die Übernahme der Führungsposition) sprechen!

Wenn das nicht so ist: Kein Grund, Ihr Ziel aufzugeben! Sie sind dann nur mehr gefordert, selbst aktiv zu werden und sich um geeignete Unterstützung zu kümmern – übrigens eine echte Selbstführungs-Qualität, die Sie damit trainieren 😉

Sie zögern immer noch?

Dann möchte ich Sie noch einmal dazu ermuntern, weil ich immer wieder feststelle, dass den Unternehmen wertvolle potenzielle Führungskräfte verloren gehen, einfach, weil diese sich es nicht zutrauen und falsche Vorstellungen davon haben, wie eine Führungskraft sein muss.

Dabei sind es oft gerade diese Menschen, die in der Lage sind, die neuen Anforderungen an Führungskräften zu erfüllen: Weg vom autoritär-durchsetzendem Führungsstil hin zu einem partizipativen, wertschätzendem Miteinander.

Also: Lust auf Führung bekommen? Ich hoffe es!

Haben Sie noch Anmerkungen, Ideen und Fragen? Dann hinterlassen Sie einfach einen Kommentar, ich freue mich darüber!

 

Beste Grüße, Wiebke Rimasch

P.S. Unseren gratis Mailkurs „Führung einfach gemacht“ finden Sie hier: http://ludewig-rimasch.de/mailkurs-fuehrung-einfach-gemacht/

 

Über die Autorin

Wiebke Rimasch ist Führungskräfte- und Karriere-Coach. Was sie will? Natürlich die Welt verbessern – die Arbeitswelt zumindest. Dazu unterstützt sie Menschen und Unternehmen dabei, ihre (Führungs-)Arbeit sinnvoll, menschlich und effektiv zu gestalten.

Dazu gibt es bald einen Führungs-Podcast unter ludewig-rimasch.de und einen Karriere-Blog unter wiebke-rimasch.de

 

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